Markus Hoitz – Zur aktuellen Situation im Erzbistum Köln

Anmerkung:
Der folgender Text wurde von unserem leitenden Pfarrer Markus Hoitz verfasst. Wir stellen als Bruderschaft lediglich die Plattform zur Bereitstellung des Textes. Bei weitern Fragen können Sie sich gerne direkt an das Pfarrbüro wenden.

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Lesende,

in unserem Erzbistum Köln gibt es z.Zt. viele Felder der Auseinandersetzung. Seien dies die Auseinandersetzung zum Umgang mit der Missbrauchsstudie, das Ringen um den pastoralen Zukunftsweg, bzw. um die verschiedenen Positionen zum synodalen Weg. Und das alles seit einem Jahr unter den Bedingungen der Corona-Pandemie, die eine den Themen angemessene Kommunikation äußerst erschwert. Sowohl die Themen als auch der Umgang damit kann ratlos, traurig und auch wütend machen.

Das größte Ärgernis ist dabei der Umgang mit der Missbrauchsstudie. M.E. ist das aber nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. D.h. dahinter steckt eine Geschichte. Und zwar die des Umgangs der Kirche mit dem – neben dem Überlebenstrieb – kostbarsten menschlichen Trieb, nämlich dem der Sexualität.

Lassen Sie es mich an meiner eigenen Erfahrung deutlich machen. Als 13jähriger hatte ich mich nach der Erstkommunion dazu aufgerafft, mal wieder zur Beichte zu gehen. Ich glaube, ich war ins Bonner Münster gegangen. Da fragte mich der Beichtvater 3x nach Sünden gegen das 6. Gebot (Ehebruch und unkeusches Verhalten). Alle anderen Gebote waren ihm scheinbar nicht so wichtig. Was wollte der von mir hören?

Aus meiner heutigen Sicht war das eindeutig ein „Missbrauch“ der pastoralen Macht – vielleicht nicht direkt sexuell, aber doch geistlich. Und ich frage mich, warum mir das so im Gedächtnis geblieben ist. Und ich frage mich, wie vielen meiner Altersgenossen – Älteren davor und Jüngeren danach – es im Beichtstuhl ebenso ergangen ist oder gar bis heute ergeht.

Nein – ich betrachte mich nicht als Betroffenen. Mir ist der Vorfall erst wieder zu Bewusstsein gekommen, als ich mich mit dem Thema „Klerikalismus, Narzissmus und Missbrauch“ näher beschäftigt habe.

Aber: ich bin mir der Verzweiflung und Hilflosigkeit, der Enttäuschung und Wut, über Geschehenes – und das nicht nur bei unmittelbar Betroffenen – sehr wohl bewusst.

Ich kann auch sehr gut nachempfinden, dass der Streit, um die Veröffentlichung des Gutachtens der Anwaltskanzlei Westpfahl/Spilker das alles nochmal vertieft, nicht wenige sogar fassungslos zurücklässt.

Und obwohl ich so empfinde, weiß ich auch, dass mir eine Bewertung, eine qualifizierte Äußerung zu diesem Streit tatsächlich nicht möglich ist, da mir hierfür entscheidende Informationen fehlen. Vielmehr muss die objektive, gerichtliche Klärung und Beurteilung abgewartet werden.

Das Warten darauf ist sowohl für uns Seelsorgenden, als auch für die Mitarbeitenden in unseren PGRs nicht einfach. Schließlich geht es auch darum, ob Verwaltungsstrukturen im Erzbistum oder ein „Korpsgeist“ im Klerus eine Vertuschung von Taten systemimmanent begünstigt oder Täter zu schützen versucht haben.

Das Verlangen nach Stellungnahmen und Erklärungen im Sinne von „für“ oder „gegen“ die Bistumsleitung darf nicht dazu führen, dass die Aufklärung in der Sache in ihrer Bedeutung hinter die Auseinandersetzung zurücktritt. Denn das ist der erste Schritt, die Grundlage, um den Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und um zu verhindern, dass die Arbeit der Präventionsfachkräfte in den Pfarreien desavouiert wird.

In unserem Sendungsraum sind Frau Jutta Barthold (GR) und ich Präventionsfachkräfte und stehen bei Bedarf zum Gespräch zur Verfügung.

Ihr
Markus Hoitz
leitender Pfarrer

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